9.11.2009 Woche 3 der Studentenproteste in Österreich

Hallo lieber Bloq,

soeben las ich einen verdammt spannenden blog über das “geheime Netzwerk” der Studierenden: http://phsblog.at/das-geheime-netzwerk-der-studierenden/ ist zwar schon fast so alt wie der Studierendenprotest hat aber trotzdem einige interessante Ansätze, auf die ich im folgenden versuchen werde einzugehen bevor ich beginne über meine Zukunftsvisionen zu philosophieren… <<Meni kann jetzt aufhören zu lesen>>

Vorneweg einmal ist anzumerken wie schon viele Medienberichterstatter festgestellt haben, dass es bei der Organisation um keine Straff durchorganisierte Struktur handelt sondern um eine basisdemokratisch organisierte Gruppe. Diese Basisdemokratie stellt einerseits die größte Stärke der UnibefreierInnen dar, andererseits auch eine ihrer größten Angriffspunkte. Die Idee der Basisdemokratie ist, dass sich jeder verantwortlich fühlt und jeder alles was ihn interessiert machen kann, es gibt keine Informationsvorsprung von einzelnen Personen existieren, jegliche Information ist öffentlich zugänglich. Nachdem jeder alles was für ihn persönlich von Interesse ist weiß, kann sich jeder mit den gleichen Vorbedingungen in eine Diskussion einbringen. Wie ich überzeugt bin, entstehen die besten Ansätze, Strategien, Lösungsvorschläge, Ideen, … nicht in Elitenzirkeln an der Spitze von Gruppierungen, nicht in den Hinterzimmern von irgendwelchen Partein und auch nicht im Pausenraum von Boulevardzeitungen nein die besten Gedanken entstehen im Gespräch und der Diskussion einer Gruppe wo sich jeder einbringen kann.

Klar gilt es hier zu bedenken dass nicht jeder Verhandlungstaktisch, rhetorisch, sitzfleischtechnisch gleich gut vorgebildet ist, aus diesem Grund kann man meiner Meinung nach zu Beginn der basisdemokratischen “Revolution” die Balkenwaage ein klein wenig auf die Seite der Parteivorfeldorganisationsgebildeten ausschlagen… Allerdings habe ich selbst das Gefühl, dass sich so etwas schnell mittelt und die Gegner von Instrumentalisierern meistens mehr sind als die Instrumentalisierer selbst, meistens werden die neutralen Gegner ja zusätzlich durch die andersdenkenden Instrumentalisierer die halt leider den kürzeren gezogen haben davor unterstützt. Aus diesem Grund glaube ich nicht dass eine Organisation mit straffen Strukturen und festgeschriebener Ideologie es leicht haben wird eine spontan entstandene Basisdemokratisch motivierte Bewegung zu infiltrieren, auch wenn es ihr möglich ist den Fortschritt und die Entwicklung zu verzögern und zu lähmen, aber vielleicht soll dieses lähmen ja so sein und ist wichtig damit die Gruppe nicht später mal über ihre eigenen Füße stolpert sondern davor schon lernt mit anstrengenderen Situationen umzugehen.

Eine nächste Sache die es zu beachten gibt ist natürlich wie hält man die Bewegung in Bewegung, irgendwoher muss Impuls kommen oder man muss ein erreichbares Ziel vor Augen haben ansonsten verläuft sich die Bewegung und kommt schließlich zum Stillstand. Das Problem der Motivation ist meiner Meinung nach das derzeit aktuellste der Protestbewegungen, die Proteste werden von einer kleinen Anzahl von Leuten am Leben gehalten, diese Leute engagieren sich im Plenum und in Arbeitsgruppen oder in der Volxküche, dem Medteam bzw. dem Kriseninterventionsteam. Diese Leute werden irgendwann einmal verdammt ausgepowert sein, wenn man nicht früh genug einlenkt… Man muss früh genug entweder die Sache russisch lösen (immer neue Leute nachschicken) oder sinnvolles Timemanagement betreiben, damit nicht alle zur gleichen Zeit sich vollkommen verausgaben und es durch Schichtbetrieb möglich ist dauerhaft im Einsatz zu sein…

Die Zweite Gruppe von Leuten die wegbricht sind die Anfangs begeisterten Studierenden, die es sich aber nicht leisten können weiterhin dauerhaft im Einsatz zu sein weil sie wieder auf der Uni weiterarbeiten müssen. Auch hier müsste man durch geschicktes Management Zeitfenster schaffen wo sich Leute einbringen können die halt einmal so vier Stunden Zeit haben und die wirklich Lust haben die Protestbewegung zu unterstützen.

Die letzte Gruppe von Leuten die es gibt, neben angepissten Studierenden und linken Parteivorfeldern sind die Partystudierenden. Jene sind am einfachsten zu motivieren weil einfach derzeit eine so große Unterstützung aus der Bevölkerung da ist, dass sich viele Bands mit uns solidarisieren und gratis Auftritte veranstalten. Das zieht natürlich massig Leute aber kommen die Leute nur um die Band zu sehen oder liegt ihnen vielleicht doch ein wenig was am Protest, und sind diese Leute dazu bereit zum Beispiel Dreck den sie verursachen wieder wegzumachen… Ich glaube ja eher nicht, ich glaube dass diese Leute zwar fürs Familienfoto Audimax gut sind danach aber am besten wieder gehen sollten, denn sie wollen nur die Band sehen und verursachen währenddessen mehr Arbeit für die AG Müll, das Medteam und das Krisenmanagementteam als gut für die dort arbeitenden Menschis ist.

So jetzt haben ich mich lange genug über die Menschen der Bewegung und die inneren Schwachstellen ausgelassen, kommen wir zu den Angriffspunkten der Protestbewegung. Der erste Angriffspunkt ist die Aufzwängung von Ideologien anderer Gruppierungen. “Es geht darum diesen Kampf gemeinsam zu gehen” “zusammen sind wir stark” ja das sind schöne Worte aber sind sie wirklich so zielführend? Ich finde es begrüßenswert wenn sich KindergärtnerInnen, MetallerInnen und der gesamte ÖGB mit der Protestbewegung solidarisieren aber wir die Bewegung dadurch eher gestärkt oder geschwächt? Stärkung weil einfach ein größerer Teil der Bevölkerung zeigt dass er unzufrieden ist und schwächung weil die geforderten Punkte verwässert und verschwämmert werden müssen weil andere Gruppierungen mit den spezifischen Anliegen der Studierenden nichts anfangen können und man daher etwas allgemeiner formuliertes fordern muss. Klar es ist gut wenn viele Unterstützen das Problem ist nur, je mehr unterstützen desto Anfälliger ist die Bewegung für die Instrumentalisierung durch Parteien, da nach einem größten gemeinsamen Vielfachen gesucht werden muss und dafür meistens Parteien schöne Parolen haben.

Der zweite Angriffspunkt ist die Frauenag. Also ich bin KEIN Sexist, ich versuche von meiner Warte aus hier mir theoretisch zu überlegen was passieren könnte aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen der letzten Tage, möchte ich nur mal vorweg klarstellen. Ich glaube nicht das ich die Weisheit mit dem Löffel gefressen habe, es handelt sich dabei um meine persönliche Meinung ich bin offen für jegliche anderen Argumente.
So genug verteidigt, jetzt kann das kommen was ich eigentlich sagen wollte.
Der Frauenraum ist anscheinend ein sehr wichtiger Raum für den Audimax, da es darum geht Frauen zu stärken und Frauen beim Protest zu halten. Jeden Tag im Plenum bekommt die Frauenag eine gewisse Zeit zugesprochen um Themen wie Sexismus, Gleichbehandlung von Frauen, rüpelhafte betrunkene Männer,… am Leben und im Gespräch zu halten. Wenn ich Gio Hahn wäre, ich würde jede Nacht 50 Männer abstellen die dieser Gruppe Material geben um sich beim Plenum drüber auszulassen. Denn da es jeden Tag das gleiche Thema ist, interessiert es die Leute die im Plenum sitzen und die von sich selbst sagen: “Ich bin eh kein Sexist” nicht mehr. Ja vielleicht sollte es sie doch interessieren nur sie sollten da selbst drauf kommen und man sollte es ihnen nicht jeden Tag versuchen aufzuzwingen denn für jede wiedergeborene Fliege werden glaube ich 10 erschlagen, heißt während es geschafft wird eine Person zu sensibilisieren schalten 10 andere ab.

Kommen wir zum Hauptproblem nämlich der Baisdemokratie. Wir leben in einem System der repräsentativen Demokratie. Gewählte Vertreter verhandeln mit anderen gewählten Vertretern so läufts bisher. Vielleicht wäre es theoretisch ja möglich das ein gewählter Vertreter (Johannes Hahn) sich vor das Plenum stellt und mit dem Plenum redet nur dazu müsste erstens er bereit sein sich vors Plenum zu stellen und mit gscheiten Argumenten auf die er nicht mehr mit bloßen rhetorischen Spielereien antworten kann umgehen können. Und er müsste glaube ich bereit sein ein bisserl von seinem hohen Ross runterzusteigen und ein wenig auf die Studierenden zukommen, auch die Studierenden müssten ein wenig zurückstecken. Egal solange sich Hahn verweigert sich dem Plenum zu stellen wird nix passieren also wird nix passieren…
Das Plenum muss also Repräsentanten bestimmen, die Verhandlungen mit anderen Repräsentanten führen. Das Problem ist diese werden einen Informationsvorsprung haben und folglich wird die basisdemokratische Informationsstruktur durchbrochen und das ganze wird so habe zumindest ich die Befürchtung sich auflösen bzw. es wird zumindest vom idealistischen Basisdemokratischen Standpunkt abgegangen, dadurch wird die größte Stärke der Protestbewegung zerstört werden.

soweit meine zum schluss leider pessimistisch endenden Visionen,

lg euer Jey

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